Warum wir alle Open-Source benutzen sollten

Tux mit decker-software-solutions Logo

Lange bin ich nicht mehr dazu gekommen, einen Blog-Eintrag zu schreiben und umso wichtiger ist es mir jetzt, mich mal wieder zu melden. Im Umgang mit Linux und vielen Open-Source Projekten in den letzten Jahren habe ich den Gedanken hinter Open-Source lieben gelernt. Nicht nur die Möglichkeit in den Quellcode hineinschauen zu können reizt mich dabei, sondern auch die Vertriebsmodelle dahinter. Umso mehr ich mich damit beschäftigt habe und mitbekomme, wie in Unternehmen und im öffentlichen Bereich gearbeitet wird, bin ich verwundert über die Herangehensweise. Es wird dabei in den meisten Fällen auf ein proprietäres Betriebssystem Windows gesetzt, also mit nicht einsehbarem Quellcode. Und darauf werden dann proprietäre Applikationen verwendet, sowie plattformabhängig Applikationen entwickelt, die nur unter Windows lauffähig sind.

Für mich macht das im öffentlichen Bereich aus mehreren Gründen keinen Sinn, die sich in soziale und ökonomische unterteilen lassen. Aus sozialer Sicht ist es nur sinnvoll auf freie Software zu setzen, da sich viele Familien keine kostenpflichtigen Applikationen leisten können. Wird jedoch in der Schule auf Microsoft Office gesetzt, haben die Schüler ohne Microsoft Office Nachteile. Sie müssen mit der Kompatibilität von alternativen Office Anwendungen kämpfen und müssen sich zusätzlich noch vor der Klassengemeinschaft bloß stellen, weil sie oder ihre Eltern sich die Software nicht leisten können. Besser wäre doch eine Schule, die vorgibt, dass die Schüler mit OpenOffice oder LibreOffice arbeiten müssen. Dadurch bekommen die Schüler keine Kompatibilitätsprobleme und werden nicht bloß gestellt. Zusätzlich sparen die Schulen noch Geld, beziehungsweise könnten die Lizenzkosten in die Weiterentwicklung der erwähnten Applikationen spenden und somit das gesamten Bildungssystem und deren Anwender unterstützen und nicht das Geld in die Taschen von Microsoft spielen. Oft wird als Gegenargument gebracht, dass Schüler auf das Leben vorbereitet werden sollen und dort oft die Produkte von Microsoft eingesetzt werden, doch wie will man ein Umdenken erreichen, wenn der nächsten Generation nur die proprietäre Lösung präsentiert wird. Tatsächlich wissen viele Schüler gar nicht, dass neben Windows noch andere Betriebssysteme existieren. Weiterhin muss auch gesehen werden, dass die Bedienkonzepte von Microsoft Office und LibreOffice oder OpenOffice sich kaum unterscheiden.

Aus ökonomischer Sicht kann der Einsatz und die Entwicklung von Open-Source Produkten einen deutlichen Mehrwert für den öffentlichen Bereich bringen. Offene Software verwendet offene Schnittstellen, die die Zusammenarbeit von mehreren Schulen, Kommunen, Gerichten und so weiter verbessern kann. Informationsaustausch wird dadurch verbessert und kostet nichts.

Offene Software lässt sich vom Zuständigen überprüfen, womit sichergestellt werden kann, dass keine Informationen an Dritte gesendet werden. Jedes Windows Betriebssystem sendet mittlerweile Daten über das Nutzerverhalten der Anwender an Microsoft. Doch soll Microsoft wirklich über das Nutzerverhalten von Schulkindern, oder Polizisten und uns selbst Bescheid wissen? Die Daten gehen zwar in der großen Datenflut unter, jedoch möchte ich persönlich trotzdem nicht, auch nicht anonymisiert, mein Nutzerverhalten teilen. Nicht weil ich etwas zu verbergen haben, sondern weil es mein einfaches Recht ist.

Der größte Punkt, der für den Einsatz von Open-Source Software im öffentlichen Bereich spricht, ist der Ursprung der Finanzierung. Letztlich bezahlt der Steuerzahler den Einsatz von kostenpflichtiger proprietärer Software im öffentlichen Bereich, wovon sich momentan nur die großen Firmen bereichern. Der Steuerzahler hat allerdings nichts davon. Würde das Geld für diese Software nach dem Gedanken Public Money, Public Code der Free Software Foundation Europe ausgegeben werden, könnte sicher fast jeder Steuerzahler davon profitieren. Wenn Office Applikationen ihren Funktionsumfang verbessern, haben alle was davon. Wenn Kommunen Software nutzen oder entwickeln lassen für beispielsweise ein Dokumentenmanagement, kann sicher das ein oder andere Unternehmen auch damit arbeiten und vorallem andere Kommunen, da die Anforderungen ähnlich, wenn nicht sogar identisch sind. Durch die Nutzung von Open-Source Produkten könnte schließlich eine sozialere Gesellschaft entstehen.


Geschrieben von Christian Decker am 21.06.2018